Von Gott geliebt
Ich möchte euch heute die Geschichte eines jungen Mannes erzählen: Seine Mutter war verlobt und schwanger mit ihm. Das sie nicht verheiratet war, ist in unserer Zeit ja fast nicht mehr das Problem, schwierig war nur, dass das Kind nicht vom zukünftigen Ehemann stammte. Als der Mann erfuhr, dass seine Verlobte schwanger war, wollte er sich von ihr trennen. Wer will schon gerne mit einem untreuen Partner zusammen sein und diesen auch noch heiraten? Wie sollte er das Kind akzeptieren, wenn es nicht mal sein eigen Fleisch und Blut war. Der Erzeuger - ein Unbekannter.
Der Mann war gläubig. Er zog sich zurück und ein Funke Liebe und Gottvertrauen schienen vorhanden zu sein, denn schließlich bekannte sich der Mann zu Frau und Kind. Mit den normalen Alltagssorgen wuchs die Familie auf und im Jugendalter trat der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters und erlernte dessen Beruf. Immer, wenn es Schwierigkeiten zu geben schien, sehnte sich der junge Mann nach seinem Erzeuger und wollte ihn näher kennen lernen.
Der Erzeuger selbst bekannte sich zu seinem Sohn: "Dies ist mein Sohn, " sagte er, "zu ihm stehe ich, er ist mein Fleisch und Blut (ich ergänze: ), meine Seele und mein Geist, nennt ihn Jesus!" Obwohl Jesus ein freundlicher, gutmütiger junger Mann war, wurde er später abgelehnt, missachtet, verspottet, verfolgt, bedroht, gepeinigt (heute würde man sagen gemobbt), verleumdet... in seiner Not rief er nach seinem Vater, aber dieser schien nicht zu antworten - verlassen, einsam, traurig, hilflos und vorsätzlich getötet starb er schließlich.
Nicht geliebt?
"Schatz, liebst du mich?" Aber natürlich hab ich dich lieb!" "Nein, jetzt mal ehrlich, liebst du mich?" "Aber ja." "Das sagst du doch jetzt nur, weil ich dich gefragt habe, oder?" "Nein, ich hab dich wirklich lieb!" "Aber warum denn? Ich bin doch gar nicht so doll: da meine Falten..." "Das sind doch hübsche Lachfältchen!" "... und meine ständigen Launen..." "Ich liebe dich, weil du so bist, wie du bist!" "Naja - auch wenn du es nicht so meinst - danke trotzdem für den Versuch mich aufzubauen. Nett von dir!"
Geliebt?
Kommt euch dieses Beispiel bekannt vor? Warum fällt es uns so schwer daran zu glauben, dass uns wirklich jemand so liebt, wie wir sind. Warum werten wir eine ehrlich gemeinte Äußerung als "nett" ab? Hätte dich dein Mann geheiratet, wenn er dich so unattraktiv fände? Würdest du dein Kind nicht lieben in den Zeiten, in denen du es am liebsten "verkaufen" würdest, weil es dir mal wieder den letzten Nerv raubt?
Schon immer scheinen sich Menschen über dieses Thema Gedanken gemacht zu haben. Denken wir an Jesus und seine Jünger. Von Jesus wissen wir, dass sein Vater ihn sehr liebte. Er erweckte ihn wieder von den Toten und lies ihn wissen, dass er nun bei ihm sein kann - für immer. Jesu Jünger dagegen waren skeptisch: "Wer ist der größte unter uns?" oder "Wen hast du mehr lieb?" Auch Kinder fragen: "Wen hast du lieber? Wer ist denn jetzt dein bester Freund (oder deine beste Freundin), Annie oder ich? Du musst dich mal entscheiden."
Die Erwartung, dass wir in diesem Moment erwählt werden ist hoch, und die Enttäuschung groß, wenn die Wahl auf jemand anderen fällt. Wie gut, dass ich ein Mensch bin. Ich kann sagen: "Das ist halt so, es gibt immer Sympathien und Antipathien." Aber ist es fair, von Gott zu erwarten, dass er ausgerechnet mich liebt - sich für mich entscheidet? Als ich das Buch von Gary Chapman "Die 5 Sprachen der Liebe" gelesen habe, ist mir wieder einmal bewusst geworden, dass sich alle Menschen nach Liebe sehnen und jeder anders angesprochen werden möchte. Das Buch beschreibt Liebeszugänge wie Hilfsbereitschaft, Zärtlichkeit, Zweisamkeit, Lob und Anerkennung und Geschenke. Ich denke, das sich jeder Mensch nach allem ein bisschen sehnt, aber es gibt Schwerpunkte - und die hat Jesus/Gott schon erkannt:
Hilfsbereitschaft
"Meine Hilfe kommt von dir", sagt der Psalm-Schreiber David im 18. und 28. Psalm. Die Sprichwörter "Hilfst du mir, dann helf´ ich dir" und "Die eine Hand wäscht die andere" haben hier keinen Platz. Bedingungslose Hilfe, ungefragte Unterstützung, Gefälligkeiten und Dienstleistungen für andere, die aus Liebe geschehen, das ist, was zählt.
Man möchte jemandem eine Freude machen, in dem man ihm einen Dienst erweist. Man setzt sich füreinander ein, in einem Bereich, der für den anderen wichtig ist. Und fragt: "Ist es das, was du dir wünschst?" Hilfsbereitschaft erfordert Planung, Zeit, Mühe und Kraft - aber wenn man Hilfe in positiver Gesinnung erledigt, ist sie ein Ausdruck der Liebe. Man kann, besitzt man die Liebessprache "Hilfsbereitschaft" auch von jemandem etwas erbitten (aber nicht erzwingen oder fordern).
Auch Gott sagt: "Wer bittet, dem wird gegeben." (Matthäus 7,7)
- eine Mutter, die ihrem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, obwohl sie einen anstrengenden Tag hinter sich hat - das ist die Sprache der Hilfsbereitschaft
- ein junger Mann, der seiner älteren Nachbarin die schweren Einkaufstüten abnimmt und sie ihr nach hause trägt
- und Jesus, der Bitten erhört und Menschen heilt
Als mein Mann und ich vor einer Weile in Darmstadts Innenstadt waren, sahen wir einen kleinen Menschenauflauf. Jugendliche, die sich um einen Mann am Boden drängten. Sie redeten auf ihn ein, schlugen ihn sogar ins Gesicht. Es stellte sich heraus, dass der Mann bewusstlos war und die jungen Männer und Frauen ihn "aufwecken" wollten. Der Krankenwagen kam und später auch die Polizei. Hilfe - in einer unaufgeforderten, aber notwendigen Situation. Würden wir diesem Beispiel folgen?
Die Sprache "Hilfsbereitschaft", muss man hören und annehmen lernen. Es gibt Menschen, die helfen lieber anderen und organisieren für sie Hilfe, als sich selbst helfen zu lassen oder um Hilfe zu bitten. Vielleicht nehmen wir anderen dadurch die Möglichkeit, Liebe zu zeigen. Hierbei geht es jedoch nicht darum "Hilfsbereitschaft" auszunutzen, ganz nach dem Motto: "Der letzte macht den Dreck weg, also schnell weg hier."
Zweisamkeit
Bei der Zweisamkeit, oder ungeteilten Aufmerksamkeit, geht es um die Zeit der besonderen Qualität. In der ungeteilten Aufmerksamkeit wird innerliche Anteilnahme sichtbar. Miteinander (!) statt nebeneinander, heißt es hier. "Darum erschuf Gott Mann und Frau."
In der Zweisamkeit handelt es sich um eine lebendige Beziehung - hier können Emotionen, Gedanken, Wünsche und schließlich Handlungen geäußert werden. Ein Grund, weshalb Jesus seine Jünger immer zu zweit aussandte? In der Zweisamkeit geht es darum, gemeinsam etwas zu erleben, Spaß zu haben. So ist ein Nebenprodukt der gemeinsamen Unternehmungen das Guthaben an schönen Erinnerungen, auf die man später zurückgreifen kann.
- ähnlich den LiZianischen Wohlfühlabenden
- gemeinsame Spaziergänge mit der Familie oder mit Freunden
- Verabredungen, wie auch bei Nikodemus: der suchte Jesus mitten in der Nacht auf, um mit ihm zu sprechen und Jesus nahm sich für ihn Zeit. (Joh. 3)
Wenn ein Freund fragt: "Wann hättest du denn mal Zeit für mich, ich muß mal was mit dir besprechen?" Und wir antworten: "Ja, also im Moment ist es etwas schwierig, ich hab da gerade viel zu tun..., Morgen Abend könnte ich dich vielleicht kurz ein paar Minuten einschieben...", dann ist es mit der Zweisamkeit, der ungeteilten Aufmerksamkeit so eine Sache.
Es geht nicht so sehr darum, wie viel Zeit man sich füreinander nimmt, sondern wie man diese Zeit gestaltet. Schön wäre da die Einführung eines Abends für besondere Anlässe: für eventuelle Gespräche mit guten Freunden, einen Eheabend, ein Teestündchen, eine Waldlauf, einen gediegenen Restaurantbesuch, ein Wochenende nur zu zweit (trotz der Kinder) usw. Jesus hat sich für Beziehungen viel Zeit genommen und sie bewusst gestaltet.
- Es war Ausdruck seiner Liebe zum Vater, Zeit im Gebet mit ihm zu verbringen, manchmal Nächte lang.
- Es war Ausdruck seiner Liebe zu Menschen, sich bei ihnen einzuladen und mit ihnen zu essen.
- Es war Ausdruck seiner Liebe zu seinen Jüngern, sich mit ihnen zurückzuziehen oder sie zu Einzelgesprächen zur Seite zu nehmen.
Vielleicht braucht Dein Sohn gar nicht die neusten Turnschuhe, sondern einfach die Erfahrung, dass Du zur nächsten Sportaufführung mitkommst und ihn anfeuerst! Vielleicht braucht Dein Partner gar nicht noch mehr elektronische Erleichterungen in der Küche, sondern einfach mal wieder einen Spaziergang im Wald mit Dir! Es kann übrigens auch Sprache der Liebe sein, einander bewusst Zeit für sich selbst zu gönnen und zu schenken – ohne dann eifersüchtig zu sein oder sich vernachlässigt zu fühlen. Zum Beispiel dem eigenen Hobby nachzugehen oder eigenen Freundschaften. Wenn man sich gegenseitig diese Freiheit gibt, braucht sie sich niemand einfach zu nehmen!
Lob und Anerkennung
Wer hört "Lob und Anerkennung" nicht gerne? Eine Möglichkeit, Liebe auszudrücken, ist der Gebrauch mutmachender Worte. Ermutigen, wertschätzen, kann jedoch nur jemand, der mitfühlt und die Welt mit den Augen des Anderen sieht (oder es zu mindestens versucht).
- Weil Zächäus von Natur aus etwas kleiner war, stieg er auf einen Baum, um Jesus zu sehen. Zächäus war nicht gerade beliebt: Steuerbetrug, Unterschlagung... trotzdem sagte Jesus: "Zächäus, komm herunter, ich will heute dein Gast sein!" (Lukas 19)
- Jesus unterhielt sich mit Prostituierte, Hochstaplern, Schwerkranken, Alkoholikern, mit Kinder und Erwachsenen, Frauen und Männern.
Eine Wertschätzung, vor der wir "den Hut" ziehen können, oder?! Wie kommt es, dass es Menschen gibt, die diese Sprache fließend beherrschen: Von ihm oder ihr geht Ermutigung aus. Andere fühlen sich durch ihn oder sie angespornt, wertgeschätzt, beachtet und geachtet, weil da jemand dankbar reagiert und nicht alles nur wie selbstverständlich hinnimmt. Kinder brauchen die Anerkennung ihrer Eltern, Schüler die Anerkennung ihrer Lehrer (was nicht nur mit Zensuren zu tun hat!), Mitarbeiter die Anerkennung ihrer Leiter, Liebende die Anerkennung des Partners. Es gibt Kinder, die ihr Leben lang der Anerkennung ihrer Eltern (meistens auch des Vaters) hinterherlaufen – selbst als Erwachsene noch, weil sie, nie erlebt haben, dass der Vater sagte: "Klasse, mein Kind, das hast Du gut gemacht. Ich bin stolz auf Dich!"
Ist das nicht gefährlich?
Bei Jesu Taufe hat Gott öffentlich vom Himmel bekannt: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!" (Matthäus3, 17) Wann hast Du das letzte Mal Deinem Sohn oder Deiner Tochter, Deinem Partner, Deinen Mitarbeitern, Deinen Nachbarn oder wem auch immer, gesagt, dass Du Wohlgefallen an ihnen hast? Und wann hast Du es Dir persönlich einmal sagen lassen und es angenommen und Dich daran gefreut, dass Gott, Dein himmlischer Vater – vielleicht durch einen Menschen – Dir sagt: "Du bist meine liebe Tochter, mein lieber Sohn, meine gute Freundin, ein toller Nachbar ... an Dir habe ich Wohlgefallen!"?
Lob und Anerkennung ist eine wichtige Sprache der Liebe!
Zärtlichkeit
Weiter gibt es einen Spruch, der lautet: "Weise Eltern, sind zärtliche Eltern." Wer den Körper des anderen berührt, der berührt ihn als Person. Zärtlichkeit muß demnach sorgsam angewandt werden. Bei Begrüßungen erleben wir es: ein Händedruck, eine Umarmung, vielleicht sogar ein Kuss auf die Wange (rechts, links). Ist dem Gegenüber das auch angenehm? In Krisenzeiten wird instinktiv die Nähe des anderen gesucht. Ist das ein Grund dafür, weshalb es in Krisenländern so viele Kinder gibt? - ... Jesus sah ihn (den Jüngling) liebevoll an... Zärtlichkeit muss nicht unbedingt etwas mit Sex zu tun haben. Allerdings hat Sex manchmal leider auch nichts mit Zärtlichkeit zu tun, und das ist schlimm! Aber wir alle brauchen Zärtlichkeit, wir alle brauchen körperliche Berührung - als Ausdruck der Liebe und Annahme.
Mancher hat diese Sprache nie zu hören bekommen und hat sie nie sprechen gelernt – und reagiert darum auf das Thema "Zärtlichkeit" unsicher, hilflos, gehemmt, vielleicht aggressiv. Mancher ist wie ein ausgetrockneter Schwamm, voller unerfüllter Sehnsucht nach Zärtlichkeit. Aber wisst Ihr, was die Kehrseite eines ausgetrockneten Schwammes ist – er wird hart! Mancher ist schon hart geworden und unnahbar. Die Bibel spricht von dieser Sprache der Liebe häufiger, als wir vielleicht annehmen. Denkt nur an
- die Berührungen Jesu, wenn er Menschen geheilt hat,
- den Bruderkuss zur Begrüßung
- die Salbung (oder Massage) der Füße
Oder in Hohelied 4 steht die Überschrift "Du bist schön, meine Freundin!" - Ein wunderbarer Text zum Thema "Zärtlichkeit" zwischen Geliebten. Ich will hier nicht auf Details eingehen, aber lest den Abschnitt einmal Zuhause durch und prüft, ob ihr bereit wärt, so voneinander und von euch selbst zu denken und zu sprechen?! Geschenke
Und schließlich Geschenke, die von Herzen kommen: Wenn ich jemanden beschenke, dann beschäftige ich mich gedanklich mit ihm und ich muß nicht auf einen bestimmten Anlass warten. Ähnlich wie bei Kindern, die öfter kommen und sagen. "Schau mal, ich hab dir ein Bild gemalt!" Wer schenkt, schenkt sich selbst. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Gegenstand, oder um Zeit handelt. "Kinder sind ein Geschenk Gottes", heißt es. Und fragt man Kinder, was sie sich vom Geburtstag erhoffen, sagen sie: "Ich wünsche mir..."
Besonders die unerwarteten Geschenke sind besonders. Sie kommen überraschend, jemand schenkt uns Zeit, Aufmerksamkeit, vielleicht auch benötigtes Geld, ein gutes Buch, ein langersehntes Haustier... Und es gibt Geschenke in unserem Leben, die haben eine besondere Bedeutung, die heben wir auf, die sind uns enorm wichtig, weil mit diesem Geschenk eine besondere Erinnerung, eine besondere Situation, ein besonderer Augenblick verbunden ist.
Mancher spricht aber auch nur oder hauptsächlich diese Sprache der Liebe und ist zutiefst verletzt, wenn der andere sagt: "Du liebst mich ja gar nicht mehr!" "Er" bringt ihr z.B. ständig irgendetwas mit, Blumen, Schmuck, Pralinen – sie aber wartet seit Monaten auf ein paar Worte der Anerkennung. Ein anderer wieder spricht die Sprache der Liebe, die "Schenken" heißt, gar nicht, und meint vielleicht, man könne Geld ja schließlich sinnvoller einsetzen als Blumen zu kaufen, die ja doch verwelken, oder Pralinen, die nur dick machen!
Gott, der die Liebe ist, hat diese Sprache erfunden: Seine Freigebigkeit und Hingabe sind grenzenlos. "Worum ihr bittet..." Und schließlich schenkt er uns das Liebstes das er hat - Jesus - seinen Sohn. ER starb für uns am Kreuz, damit wir leben können (ein größeres Geschenk gibt es nicht). Wir brauchen nichts zu erwidern, nichts zu tun, nur das Geschenk dankbar und voller Freude annehmen.
Wann hast Du Deinen Lieben, die Dir nahe stehen, das letzte Mal etwas ganz bewusst geschenkt? |