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Stern Predigt von Miriam Budnick am 04.11.2006

Gesicht zeigen

Am 27.03.2002 wurde vom Magistrat der Stadt Darmstadt beschlossen, eine Arbeitsgruppe zu gründen, um in einem Bündnis Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Neonazismus zu ergreifen und zu fördern. Maßnahmen, die geeignet sind, das weltoffene und liberale Profil der Stadt zu schärfen. Darmstadt ist seit 2000 Mitglied bei "Gesicht Zeigen!" Aktion weltoffenes Deutschland.

Vor einer Weile habe ich eine eMail erhalten: Es ging dabei um eine junge Frau namens "Sandra". Sie erzählt eine Erfahrung die sie in einer Studiengruppe hatte, die von ihrem Professor, Herrn Dr. Schmidt gehalten wurde. Sandra sagte, dass Dr. Schmidt für seine ausführlichen Lektionen bekannt war.

An einem bestimmten Tag, ging Sandra zum Seminar und wusste, sie würden einen spaßigen Tag haben. An der Wand war ein großes Ziel und an einem nahe platziertem Tisch lagen viele Darts.

Dr. Schmidt sagte den Studenten sie sollten ein Bild von Jemanden zeichnen den sie nicht mochten oder der sie zornig gemacht hatte, und er würde ihnen erlauben auf das Bild dieser Person Darts zu werfen. Sandras Freundin zeichnete ein Bild von dem Mädchen, dass ihr den Freund ausgespannt hatte. Ein anderer zeichnete ein Bild von seinem kleinem Bruder. Sandra selbst zeichnete das Bild eines früheren Freundes und legte großen Wert auf die Details in ihrer Zeichnung, sogar die Hautpickel auf seinem Gesicht zeichnete sie. Sandra war sehr zufrieden mit dem Gesamteindruck den sie herausgearbeitet hatte.

Die Gruppe stellte sich an und begann mit den Darts zu werfen. Einige der Studenten warfen ihre Darts mit solcher Kraft, dass ihr Ziel zerfetzt wurde. Sandra wartete gespannt auf den Moment an dem sie drankäme und war sehr enttäuscht, als Dr. Schmidt, aufgrund des Zeitmangels, die Studenten bat auf ihre Sitze zurückzukehren.

Als Sandra sass und sich ärgerte, weil sie keine Chance bekam auch nur einen Dart auf ihr Ziel zu werfen, begann Dr. Schmidt die Zielscheibe von der Wand zu entfernen.

Unter der Zielscheibe war ein Bild von Jesus.

Ein Raunen ging durch den Raum während jeder Student das zerfleischte Bild von Jesus sah; Löcher und zerklüftete Narben bedeckten Sein Gesicht und Seine Augen waren durchbohrt.

Dr. Schmidt sagte nur folgende Worte aus Matthäus 25,40: "Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan."

Keine anderen Worte waren nötig; Tränen füllten die Augen der Studenten die nur auf das Bild Jesus sehen konnten.

Warum rührt uns die "Geschichte" von Jesus so sehr. Weshalb bekommen wir ein schlechtes Gewissen, wenn es darum geht, dass wir Jesus enttäuschen könnten? Liegt es daran, dass Er so viel für uns getan hat?

Eines Tages hatten Satan und Jesus eine Unterredung. Satan war gerade
vom Garten Eden zurück und er war hämisch und prahlerisch. "Ja, Herr,
ich habe gerade die ganze Welt voll mit Menschen gefangen. Setzte meine
Falle und verwendete einen Köder von dem ich wusste sie können dem nicht
widerstehen. Hab sie alle erwischt!"

"Was wirst du mit ihnen tun?" fragte Jesus. Satan antwortete: "Oh, ich werde richtig Spaß haben mit denen! Ich werde sie lehren wie man heiratet und sich voneinander trennt, wie man sich hasst und sich gegenseitig missbraucht, wie man trinkt und raucht und flucht. Ich werde sie lehren wie man Schusswaffen und Bomben erfindet und sich gegenseitig umbringt. Ich werde echten Spaß haben!" "Und was wirst du tun wenn du mit ihnen fertig bist?" fragte Jesus. "Oh, ich werde sie töten!" tönte Satan stolz. "Wie viel möchtest du für sie?" fragte Jesus. "Oh, du möchtest diese Menschen nicht haben. Sie sind zu nichts gut. Warum - du wirst sie nehmen und sie werden dich nur Hassen. Sie werden dich anspucken, dich fluchen und dich töten! Du möchtest diese Menschen nicht haben!" "Wie viel?" fragte Jesus erneut. Satan schaute auf Ihn und sagte: "All Deine Tränen und Dein ganzes Blut." Jesus sagte: "GEMACHT!" Dann bezahlte Er den Preis.

"Gott hat also die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Alle, die sich nun auf Ihn verlassen und an Ihn glauben, werden nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben erhalten." (Johannes 3,16) Ist das nicht ein Grund, dankbar zu sein und sich zu freuen?! Müssen wir diese Nachricht nicht allen mitteilen? Müssen wir diese Nachricht nicht mit ihnen teilen?

Wir leben in der Gewissheit, dass wir Jesus auch heute noch begegnen. Aber wie? In unseren Mitmenschen?! Aber wie gehen wir mit ihnen um?

Hast du dich ertappt, wie du am Anfang der Geschichte von Sandra dir selber schon überlegt hast, wen du gemalt hättest - um ihm dann mit Freude einen Dartpfeil entgegen zu schmeißen? Und bist du vielleicht berührt, über die Tatsache, dass Jesus sein Leben lies, nur damit du gerettet wirst?

"Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein", sagt Jesus. Aber diese Aussage gilt (vielleicht leider ?) nicht nur mir, sondern auch meinem Nächsten, meinem Mitmenschen, der Person, die neben mir sitzt, oder der Person, ein paar Reihen vor oder hinter mir.

In 1. Johannes 4 steht: "Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe kommt von Gott, und wer liebt, hat Gott zum Vater und kennt Ihn."

Ich weiß, es ist oft gar nicht so einfach mit meinem Mitmenschen klar zu kommen, wenn er mich verletzt, enttäuscht oder mir weh getan hat. Aber kann es sein, dass nicht nur er Schuld hat? Wie oft erwische ich mich dabei, wie ich meinem Gegenüber freundlich begegne und innerlich spüre, dass ich ihm eigentlich gar nicht in die Augen schauen kann, ich kann mit ihm irgendwie nichts anfangen. Ist das denn dann ok, oder verletze ich den anderen auch damit?

Paulus schreibt in Römer aber ganz eindeutig, dass die Liebe nicht geheuchelt sein darf. "Verabscheut das Böse und tut mit ganzer Kraft das Gute." Ich lese einige ausgewählte Verse aus Römer 12: "Liebt einander von Herzen, und ehrt euch gegenseitig in zuvorkommender Weise. Werdet im Eifer nicht nachlässig, sondern lasst euch vom Geist Gottes entflammen. Wünscht denen, die euch verfolgen, Gutes. Segnet sie, anstatt sie zu verfluchen. Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze heim. Seid darauf bedacht, vor den Augen aller Menschen bestehen zu können. Nehmt keine Rache. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde es durch das Gute!"

Dies ist ein großer Anspruch und vielleicht auch nicht immer so einfach umzusetzen.

Aber wir finden so klare Aussagen über das Verhalten miteinander in der Bibel, die uns vielleicht im Umgang miteinander helfen können. So schreibt z.B. Johannes: "Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit entsprechen: nämlich der Liebe, die Gott erwiesen hat." Und weiter schreibt er: "Durch den Geist, den uns Gott gegeben hat, wissen wir, dass Gott in uns lebt." (1. Joh. 3,24b) Und Gott gibt uns die Kraft lieben zu können. Bitte Gott um Liebe, Verständnis, Geduld, Ehrlichkeit und Freundlichkeit. Er wird es dir schenken und dir Kraft geben, um auf den anderen zuzugehen.

Auch wenn du dich selber ungeliebt fühlst und dein Leben leer erscheint, ist es höchste Zeit, dich um andere zu kümmern. Während du den Liebeskelch des anderen füllst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Liebe zu dir zurückströmt - manchmal auf verschlungenen Wegen und in einer Art, wie du es am wenigsten erwartet hättest. Gib Liebe weiter, auch weil Gott dich dazu auffordert. Gib Liebe weiter, ohne mit Erwiderung zu rechnen. Gib Liebe weiter, auch wenn du meinst, sie wäre verschwendet.

Die Nächstenliebe, so steht es in Wikipedia, ist ein zentraler Begriff der jüdischen und christlichen Ethik und die wesentliche Forderung, die Jesus in seinen Predigten aufstellt. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten gelten dabei als gleichrangige Forderungen. Was in der Bibel üblicherweise als "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" übersetzt wird, heißt im hebräischen Urtext jedoch etwas anders, nämlich: "Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du." Nur wer sich selbst liebt, kann also auch andere lieben. Selbstliebe bedeutet in diesem Fall nicht, egoistisch zu sein, sondern sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren und die ethischen Werte der Bibel auf sich selbst anzuwenden, weil man es wert ist.

"Lasst uns also lieben, denn Gott hat uns zuerst geliebt." (1. Johannes 4,19) Das ist die große Wahrheit, die wir uns immer wieder vor Augen führen
müssen: Gott hat uns zuerst geliebt, und wir können uns an Seiner Liebe erfreuen und sie dadurch weitergeben. Das ist großartig. Gott hat uns zuerst (!) geliebt. Deswegen sollen auch wir lieben.

1. Korinther 13 erwähnt einige Eigenschaften der Liebe Gottes, die ich noch an euch weitergeben möchte. Und wenn Gott die Liebe ist und er mir Seine Liebe zukommen lässt, dann kann ich hier auch von mir sprechen: Die Liebe ist (oder anders formuliert: ich bin) geduldig und freundlich, ich eifere nicht für den eigenen Standpunkt und treibe nicht Mutwillen, ich prahle nicht und spiele mich nicht auf. Ich verhalte mich nicht ungehörig, nehme mir keine Freiheiten heraus und suche nicht den eigenen Vorteil. Ich lasse mich nicht zum Zorn reizen und trage das Böse nicht nach. Ich freue mich nicht über Ungerechtigkeit und bin nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht, sondern ich freue mich mit an der Wahrheit, wenn jemand das Rechte tut. Ich gebe niemanden auf, in jeder Lage vertraue und hoffe ich für andere; alles ertrage ich mit großer Geduld.

Darum will ich mich bemühen.

An unserem Verhalten sollen und werden andere erkennen, dass oder ob wir Jesu' Jünger sind!

Wir wollen uns untereinander in Wort und Tat lieben, uns untereinander unterstützen, füreinander da sein und dadurch ein leuchtendes Beispiel geben - auch hier, in dieser Gemeinde.

Dazu möchte ich euch Mut machen und sagen: "Zeig dein Gesicht" - in dem Bewusstsein, dass du in Gott lebst und Gott in dir. Dann ist es schön, wenn du die Details im Gesicht deines nächsten kennst, nicht aber um sie aufzumalen und das Bild dann mit einem Dartpfeil zu zerstören, sondern um den anderen noch besser kennen zu lernen und dich an ihm zu freuen.

Warte nicht zu lange, auf deinen Nächsten zuzugehen, vielleicht ist es auf einmal zu spät und du bereust es. Sei eingeladen zur Zeit der Versöhnung.

Lasst uns wie die Stadt Darmstadt "Mitglied" werden, bei Gesicht Zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland - Aktion weltoffene Kirchen - Aktion "liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du".

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